Saturday, October 24, 2020

RSHA report of October 1944: "...the Polish people...fear that, like the Jewish people, their ethnic substance will be destroyed"

The following reproduces a memo of 18 October 1944 by Herbert Strickner, RSHA department III B, on the "reorganization of Poland policy". The written draft makes the revealing side note that "the Polish people feel expelled from the European community of nations and fear that, like the Jewish people, their ethnic substance will be destroyed" (see also The Hagen Letter: "...to deal with 1/3 of the Poles - old people and children under the age of 10 - as with the Jews, that is to kill them.").


DOCUMENT






TRANSCRIPTION

III B 2 d – Dr. Str./So. Berlin, den 18.10.1944

Betr.: Neuordnung der Polenpolitik

Die seit 1939 vertretene Polenpolitik ging von folgende vier Voraussetzungen aus:

1.) dem tausendjährigen Kampf zwischen den deutschen und den polnischen Volk, der polnischen Kriegsschuld und der Ermordung zehntausender Volksdeutscher im September 1939.

2.) der biologischen Unterwertigkeit des grössten Teilen des polnischen Volkes und der au seiner Vermischung erwachsenden Gefahr für den deutschen Volkskörper.

3.) der Tatsache, dass grosse Teile der Gebieten, das Polen 1939 bewohnten, dem Reich wieder eingliedert (eingegliederte Ostgebiete) bezw. der übrige Teil als künftiger deutscher Siedlungs- und Volksboden (GG) angesehen wurde.

4.) Einem baldigen Kriegsende.

Folge war eine Polenpolitik für die Gegenwart, die baldige Endlösung einer Verdrängung des Polentums aus dem das Reich interessierenden Raum in den Osten als Fernziel voraussah. Es war die Politik, die das polnische Volk auf dem Raum des GG zusammendrängte (Evakuierungen aus den eingegliederten Ostgebieten), es politisch zu neutralisieren versuchte und dem Polen dort, wo er mit deutschen Menschen zusammenlebte oder leben musste, differenziert behandelte, um alle politischen und biologischen Gefahren für das deutsche Volk nach Möglichkeit auszuschliessen. Eine letzte und offizielle Entscheidung über das endgültigte Schicksal des Polentums fiel nicht. Wenn auch das GG gelegentlich als “Heimatstätte des polnischen Volkes” bezeichnet wurde, so war die deutsche Führung bemüht, dem Polentum dieses Gefühl einer Heimat nicht zu geben, sondern es über die deutschen Absichten, über sein Schicksal nach dem Kriege, im Unklaren zu lasen. Die Aussiedlung (anstatt Vernichtung) der polnischen Intelligenz aus den eingegliederten Ostgebieten in das GG führte dort zu einer Konzentration des politischen Polentums überhaupt, die umso gefährlicher wurde, als keine Sicherheitsventile für eine politische Tätigkeit offen gelassen waren oder genehmigt werden konnten. Die in dem Jahr 1942 hinein konnte von einer durchaus vorhandenen Bereitwilligkeit und Mitarbeit, insbesondere der Bauern und Arbeiter gesprochen werden, wenn auch bereits damals die Verhältnisse auf wirtschaftlichem Gebiet (mangelhafte Erfassung und infolgedessen Schleichhandel) zum Teil unerfreulich waren und den Fähigkeiten der deutschen Verwaltung keines besonderes Zeugnis ausstellten. Gefördert durch die Feindpropaganda und im wesentlichen verursacht durch die militärischen Rückschläge des Reiches sowie durch die hin- und herschwenkende Polenpolitik des GG, die insbesondere dem Polen immer wieder den Eindruck deutscher Schwäche vermittelte, hat sich bis zum Warschauer Aufstand die innenpolitische Lage des GG wesentlich verschlechtert, und zu einem solchen Anwachsen der Tätigkeit und Macht der WB geführt, dass praktisch von ihr als einem Staat im Staate gesprochen werden kann. Die infolge Menschenmangel unzureichenden deutschen Bekämpfungsmassnahmen und der häufigen Kurswechsel in der Polenpolitik sowie Verfallserscheinungen innerhalb des deutschen Sektors im GG (Warschau nächst Paris umfangreichster Etappen- und Schleichhandelsplatz) unterstützten die WB in ihrer Tätigkeit besonders stark. Politisch falsche Massnahmen (Polenumsiedlung in Zamosz, Arbeiterfangaktionen usw.) verstärkten den polnischen Widerstandswillen, Leichtsinnige deutsche Versprechungen, die nicht gehalten wurden (Ernährung) gaben der WB und dem Ausland willkommene Propagandaparolen. Allgemein fehlte die einheitliche Linie in der Polenpropagandapolitik des GG. Zu all dem kommt einerseits der ausgesprochene Freiheitswille des Polentums, andererseits seine konspirative Veranlagung. Daneben spielte die P-Kennzeichnung der Polen im Reich, die als diffamierend empfanden wurde, eine Rolle, ebenso wie alle durchgeführten Beschränkungen des kulturellen Eigenlebens, besonders auch auf dem Gebiete der Volksbildung und Erziehung, sowie die geringe Beteiligung an der Verwaltung.

Das polnische Volk fühlt sich zum Teil durch alle diese Massnahmen von deutscher Seite und besonders fehlende deutsche Äusserungen über sein künftigtes Schicksal im neuen Europa aus der europäischen Völkergemeinschaft ausgestossen und fürchtet, dass es ähnlich wie das jüdische Volk in seiner völkischen Substanz vernichtet werden soll.

Die fast tausendjährige Sehnsucht der Polen nach einem Grosspolen ist heute mehr den je in jedem Polen lebendig. Er ist dafür imstande, jedes Opfer zu bringen. Die Behandlung eines Volkes mit Methoden, die England für aussereuropäische Völker (Blechlöffel und Kattun) anwandte, ist daher von vornherein auf das polnische Volk nicht anwendbar. Für eine Lösung des Polenproblems wären grundsätzlich 3 Möglichkeiten offen:

1.) Eine harte aber gerechte Behandlung unter voller Wiederherstellung der verlorengegangenen deutschen Autorität auf allen Lebensgebiete und mit allen Machtmitten im GG. Dadurch wären alle biologischen und volkspolitischen Forderungen vom Standpunkte des Nationalsozialismus gewahrt.

2.) Man geht prinzipiell künftig davon ab, die Polenpolitik allein im Hinblick auf das Fernziel su sehen, ohne dieses endgültig aufzugeben und wie bisher dem Polentum gegenüber sich über die künftige deutsche Besiedlung des GG zu äussern. Für diesen Fall wären zwei Auswege möglich.

a) die Behandlung des Polentums wird entsprechend gelockert und ihm nach Kriegsende eine angemenssene Lösung der Polenfrage im Rahmen einem deutschen Schutzstaates in Aussicht gestellt, falls das polnische Volk seine Bewährungsprobe beteht

b) das Polentum wird bereits jetzt an der Regierung des GG massgeblich bis in die mittlere Instanz hinein beteilgt bezw. erhält es ähnlich dem Protektorat oder der Slowakei eine beschränkte Eigenstaatlichkeit mit Selbstverwaltung
3.) Es wird grundsätzlich von der bisherigen Kozenption, das das bisher von Polen bewohnte Gebiet deutscher Siedlungsboden wird, abgegangen und eine Lösung etwa im Sinne von 2 b) bereits in der Gegenwart durchgeführt.

Voraussetzung ist jedoch, dass zur einheitliche Ausrichtung der Polenpolitik von höchster Stelle entschieden wird, welches Schicksal dem GG in Zukunft zugedacht ist, ob er deutscher Siedlungsboden bleiben soll oder nicht, bezw, ob mit dem Polentum gespielt werden soll oder nicht.

Die Lösung des Polenproblems in den eingegliederten Ostgebieten ist dagegen weit klarer und hiesiger Ansicht auch unabhängig von der Gestaltung des GG, da je praktisch von der bisher vertretenen Auffassung, die eingegliederten Ostgebiete werden deutsch besiedelt, nicht abgegangen werden kann. Eine Auflockerung der Polenpolitik in diesen Gebieten ist tatsächlich nicht möglich, da diejenigen Vorteile, die der Pole dort ersehnt (erhöhte Lebensmittelzuteilung und Waren) nicht zugestanden werden können. Bezüglich der polnischen Zivilarbeiter im Altreich sind Auflockerungen nur in beschränktem Masse aus sicherheitspolizeilichen und volkspolitischen Gründen möglich. Von Reichsführer-SS wurde dazu bereit Änderung des Polenkennzeichens angeordnet und von IV B entsprechender Vorschlag gemacht. Ausserdem wird für das Altreich Reichsführer-SS die Einführung des Leistungspolenprinzips, die sich im Wartheland durchaus bewährt hat, vorgeschlagen werden.

Der gegenwärtige Zeitpunkt wird von verschiedenster Seite als geeignet für eine Neuordnung der Polenpolitik angesehen.

Die Kapitulation Warschaus hat zu einer ungewöhnlichen seelischen Erregung der Bevölkerung des GG geführt, einem Zustand, der jedoch kaum von langer Dauer sein wird.

Ist auch das Vertrauen des Polentums zu den Alliierten erheblich gesunken und das Misstrauen dem Bolschewismus gegenüber stark gestiegen, so steht jedoch vor allen Dingen fest, dass allgemein die Überzeugung im gesamten polnischen Volk lebt, dass der Krieg für Deutschland verloren ist. Es wird sich dabei kaum eine grössere Zahl von Polen finden lassen, die ohne jeden Rückhalt aufgrund der Warschauer Ereignisse heute geneigt ist, ernstlich auf die deutsche Sache zu bauen. Alle Massnahmen, die für erfolgreiche Durchführung allein ihre Hoffnung auf die gegenwärtige politische Meinungsbildung des Polentum setzen, werden auf die Dauer keine zuverlässige Basis finden und müssen daher mit Rückschlägen enden, Sei den hier erfassten Meinungsäusserungen von polnischer Seite ist dies stets klar zu sehen. (Siehe Anlage). Es wird von Polen immer darauf verwiesen, das seine loyale Zusammenarbeit mit den Deutschen auch von Seiten der AK derzeit durchaus möglich sei, jedoch die Alliierten nichts davon erfahren dürften.

Es muss daher von hier aus an der Ansicht festgehalten werden, dass die Realisierung einer mehr oder weniger einschneidenden Kursänderung in der Polenpolitik für zwecklos anzunehmen ist, je sogar als gefährlich erscheint, ehe es Deutschland nicht gelingt, wieder der Welt Beweise seiner ungebrochenen militärischen Stärke zu liefern, da dadurch die deutschen politischen Möglichkeiten vorzeitig ausgespielt oder verspielt werden.

TRANSLATION

III B 2 d - Dr. Str. /Sun. Berlin, October 18, 1944

Re: Reorganization of Poland policy

The Polish policy, which has been represented since 1939, was based on the following four requirements:
1.) the thousand-year struggle between the German and Polish people, the Polish war guilt and the murder of tens of thousands of ethnic Germans in September 1939.
2.) the biological inferiority of most of the Polish people and the danger for the German national body arising from their intermingling.
3.) the fact that large parts of the areas that Poland inhabited in 1939 were reintegrated into the Reich (incorporated eastern areas) or the remaining part was declared as a future German settlement and people's soil (GG).
4.) The imminent end of the war.

The result was a Polish policy for the present, which foresaw an early final solution of the displacement of Poland from the area of interest to the Reich to the East as a long-term goal. It was the politics that crowded the Polish people together in the area of the GG (evacuations from the incorporated eastern regions), tried to neutralize them politically and treated the Poles in a differentiated manner where they lived or had to live with German people, and to exclude all political and biological dangers for the German people as far as possible. There was no final and official decision about the ultimate fate of Poland. Even if the GG was occasionally referred to as the “home of the Polish people”, the German leadership tried not to give Poland this feeling of home, but rather to leave it in the dark about the German intentions, about its fate after the war. The resettlement (instead of annihilation) of the Polish intelligentsia from the incorporated eastern areas into the GG led to a concentration of political Polishness (Polentum) there, which became all the more dangerous as no safety valves for political activity were left open or could be approved . In 1942 it was possible to speak of a willingness and cooperation, especially of the peasants and workers, even though the economic situation (poor harvest requisitioning and, as a result, black-marketeering) was partly unpleasant and the capabilities of the German administration displayed no especial merits. Supported by enemy propaganda and mainly caused by the military setbacks of the Reich as well as the changing policy of the GG in Poland, which repeatedly gave the Pole in particular the impression of German weakness, the domestic political situation of the GG worsened considerably up to the Warsaw uprising , and led to such an increase in the activity and power of the WB [Widerstandsbewegung, resistance movement] that it can practically be spoken of as a state within a state. The inadequate German control measures due to the lack of personnel and the frequent changes of course in Poland policy as well as signs of decline within the German sector in the GG (Warsaw, next to Paris, the most extensive rear area [Etappen-] and black-marketeering center) supported the WB particularly strongly in its activities. Politically false measures (resettlement of Poles in Zamosz [sic], workers' round-up campaigns, etc.) strengthened the Polish will to resist, careless German promises that were not kept (food) gave the WB and abroad welcome propaganda slogans. In general, there was no consistent line in the GG's Poland propaganda policy . In addition to all of this, there is, on the one hand, the pronounced will for freedom of the Poles and, on the other hand, its conspiratorial disposition. In addition, the P-badging of the Poles in the Reich, which was perceived as defamatory, played a role, as did all the restrictions on cultural life of their own, especially in the field of popular education and upbringing, and the low level of participation in the administration.

Partly due to all these measures on the German side and especially the lack of German statements about their future fate in the new Europe, the Polish people feel expelled from the European community of nations and fear that, like the Jewish people, their ethnic substance will be destroyed.

The almost millennial longing of Poles for a Greater Poland is more alive today than ever in any Poland. He is able to make any sacrifice for it. Treating a people with methods that England used for non-European peoples (tin spoons and calico) is therefore not applicable to the Polish people from the outset. There are basically 3 options for a solution to the Poland problem:

1.) A harsh but fair treatment with full restoration of the lost German authority in all areas of life and with all centres of power in the GG. This would safeguard all biological and national political demands from the standpoint of National Socialism.

2.) In principle, one will in future depart from seeing Polish policy solely with regard to the long-term goal, without finally giving this up and, as before, speaking to Poland about the future German settlement of the GG. In this case there are two possible solutions

a) The treatment of Poles will be relaxed accordingly and, after the end of the war, an appropriate solution to the Polish question will be promised within the framework of a German protective state, if the Polish people will face their practical test.

b) Polishness [Polentum] is already now significantly involved in the government of the GG right up to the middle level. Similar to the Protectorate or Slovakia it receives a limited statehood with self-administration

3.) In principle, the previous option that the area previously inhabited by Poles will
become German settlement soil is abandoned and a solution in the sense of 2 b) is already being implemented in the present.
The prerequisite, however, is that for a uniform orientation of Poland policy it is decided by the highest authority which fate is intended for the GG in the future, whether it should remain German settlement soil or not, and whether or not Poland should be toyed with.

The solution to the Polish problem in the incorporated eastern areas, on the other hand, is much clearer and, according to the local view, is also independent of the design of the GG, since the previously held view that the incorporated eastern areas will be populated by German cannot be departed from. A loosening of the Polish policy in these areas is actually not possible, since the advantages that the Pole longs for there (increased food allocation and goods) cannot be granted. With regard to the Polish civil workers in the Altreich, loosening up is only possible to a limited extent for reasons of security police and national policy. The Reichsführer-SS ordered a change in the P-badge and IV B made a corresponding proposal. In addition, for the old Reich [Altreich – Germany], Reichsführer-SS, the introduction of the achievement principle for Poles, which has proven itself in the Wartheland, will be proposed.
The present point in time is seen by various sides as suitable for a reorganization of Poland policy.

The surrender of Warsaw caused an unusual emotional excitement among the population of the GG, a situation which, however, is unlikely to last.
Even if the confidence of the Poles in the Allies has sunk considerably and the distrust of Bolshevism has risen sharply, however, it is clear above all that there is a general conviction throughout the entire Polish people that the war is lost for Germany. It will hardly be possible to find a large number of Poles who are inclined to-day without any backing because of the events in Warsaw to seriously build up the German cause. All measures that place their hopes on the current formation of political opinion in Poland for successful implementation will not find a reliable basis in the long run and must therefore end with setbacks. This can always be seen clearly in the opinions expressed here by the Polish side. (See Attachment ). Poles always point out that their loyal cooperation with the Germans is currently also possible on the part of the AK , but that the Allies should not find out about it.
From here we must therefore hold on to the view that the realization of a more or less drastic change of course in Poland policy is to be assumed to be futile, indeed even appears dangerous, before Germany fails to provide the world with proof of its unbroken military strength again, since this would prematurely exhaust or gamble with German political possibilities.
(Madajczyk, Czesław, ‘Sipo i SD o polityce okupacyjnej w Polsce’, Dzieje Najnowsze, R. 1 z. 1 (1969), pp.159-166; transcription and translation from N. Terry here)

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